Überschwemmungen sind ein natürliches Phänomen und Teil des Wasserkreislaufs. Starke Niederschläge oder Schneeschmelze in Überschwemmungsgebieten führen zu erhöhtem Oberflächenabfluss, der sich in den Flüssen sammelt. Doch auch menschliche Einflüsse spielen eine Rolle: Durch den Klimawandel treten extreme Wetterereignisse wie Starkregen immer häufiger auf. Besonders im dicht besiedelten Mitteleuropa können die daraus resultierenden extremen Überschwemmungen verheerende Folgen haben.
Ein schweres Sturmtief namens Bernd verharrte am 13. und 14. Juli 2021 über Westeuropa und verursachte Rekordniederschläge in Belgien, Deutschland, Luxemburg, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. In einigen Teilen Deutschlands fiel innerhalb von weniger als 48 Stunden die Regenmenge von zwei normalen Monaten. Flüsse traten über die Ufer, es kam zu Sturzfluten, und Hunderte von Menschen wurden verletzt, vermisst oder kamen ums Leben. Die Überschwemmungen verursachten Schäden in Höhe von einer Milliarde Euro und werden laut einer Kölner Versicherungsmathematik-Beratung voraussichtlich alle drei bis fünf Jahre wieder auftreten.
Amateuraufnahmen vom 14. Juli zeigen, wie das Wasser in Altenahr rapide anstieg , die Rettungsdienste überforderte und die Bewohner in Panik vor der Flut flüchten mussten.
Mithilfe der JMP- Visualisierung wollte ich die Niederschlagsverteilung und -auswirkungen in Deutschland im Juli 2021 untersuchen. Auf mtwetter.de fand ich Daten zu den Niederschlagsmessungen im Juli in allen deutschen Bundesländern. Diese Daten analysierte ich im Graph Builder von JMP und erstellte anschließend ein Konturdiagramm mit abgeschnittener Form, das die deutschen Bundesländer berücksichtigte. Es ist deutlich erkennbar, wo die meisten Niederschläge fielen. Insbesondere in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz fielen am 14. Juli innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 mm Niederschlag (blau markiert).

Die beiden folgenden Grafiken zeigen die tägliche Niederschlagsmenge im Juli 2021 in den verschiedenen deutschen Bundesländern. Am stärksten betroffen waren Nordrhein-Westfalen (NW) (rot) und Rheinland-Pfalz (RP) (hellrot). Besonders starke Regenfälle setzten in diesen beiden Bundesländern am 13. Juli ein und erreichten ihren Höhepunkt am 14. Juli, wie das untenstehende Balkendiagramm zeigt.

Da in Blasendiagrammen benutzerdefinierte Formen verwendet werden können, habe ich Regenschirme gewählt, deren Größe und Farbe die Niederschlagsmenge in Millimetern darstellen. Mein Kollege Dan Schikore ( @danschikore ) hat ein sehr nützliches Add-on, den Bubble Shapers Editor , entwickelt, mit dem SVG-Dateien direkt importiert und anschließend über die Benutzeroberfläche geöffnet werden können. Ich habe diese Regenschirm-SVG-Datei von der Website freesvg.org verwendet.

Experten zufolge führten mehrere Faktoren zu der Katastrophe, darunter ein nasser Frühling. Dadurch floss der Regen im Juli unkontrolliert ab und riss Geröll und Schlamm mit sich. Entwurzelte Bäume, Autos und Wohnwagen wurden flussabwärts gespült, blockierten die Brücken und verursachten gefährliche Wasserstaus.
Allerdings spielte auch der Klimawandel eine Rolle. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie ergab, dass derart intensive Regenfälle in Westeuropa infolge der globalen Erwärmung bis zu neunmal wahrscheinlicher geworden sind.
„Je wärmer es ist, desto mehr Wasser kann die Luft aufnehmen. Etwa ein Grad wärmere Luft kann rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen, und was sich in der Atmosphäre befindet, fällt früher oder später wieder als Niederschlag herab“, sagt Tobias Fuchs, Direktor für Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst (DWD).